Das natürliche Wasserangebot in Deutschland ist geografisch bedingt sehr ungleich verteilt: So steht Mensch und Natur in den Gebirgsregionen Süddeutschlands zehn- bis zwanzigmal mehr Wasser verfügbar als im trockenen Brandenburg, so weiß es das Umweltbundesamt.
Hauptgrund dafür ist die Verteilung des Niederschlags, im Osten und Nordosten Deutschlands fällt im Durchschnitt generell weniger Wasser vom Himmel als im Westen und Süden. Wenn mehr als 20 Prozent des verfügbaren Wassers vom Menschen genutzt wird, spricht man vom sogenannten Wasserstress. Dann kommt es nach Expertenangaben zu vielfältigen Problemen für Umwelt und Wirtschaft:
Zum Beispiel können Moore und Feuchtgebiete austrocknen, der Baumstand in den Wäldern wird anfälliger für Schädlinge und natürlich steigt auch die Waldbrandgefahr. Wie das Beispiel Frankreich im letzten Jahr zeigte, führte Wassermangel in den Flüssen dazu, dass die französischen Kernkraftwerke wegen mangelnder Kühlung runtergefahren werden mussten.

Das sagt die Wasserstrategie
Die Nationale Wasserstrategie ist im Wesentlichen ein Aktionsprogramm mit rund 80 Maßnahmen, die das Wassermanagement moderner machen sollen. Dazu gehört auch, mit Verbundnetzen und Fernleitungen Wasser aus nassen Regionen Deutschlands in trockene Gegenden zu bringen. Erste Fernleitungen gibt es bereits, beispielsweise in Stuttgart oder Hessen.
Bei all dem stellt sich die Frage der Prioritäten im Fall einer Wasserknappheit. Dem Umweltbundesamt zufolge entfielen im Jahr 2019 von den deutschlandweit genutzten 20 Milliarden Kubikmetern etwa 44 Prozent auf den Energiesektor. Bergbau und verarbeitendes Gewerbe entnahmen zusammen knapp 27 Prozent - genauso viel wie die öffentliche Wasserversorgung. Gut 2 Prozent wurden für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen genutzt.
Einig sind sich die Umweltministerin Steffi Lemcke und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) darüber, dass im Falle einer Wassermangellage die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser ganz klar Priorität hat. Dazu kommen andere wichtige Wassernutzer wie beispielsweise Krankenhäuser, Schulen oder Kindergärten. Gemeinsam mit den Bundesländern sollen nun Leitlinien entwickelt werden, wie die Nutzungsansprüche in Fällen von Wasserknappheit aussehen würden. Gefordert ist auch mehr Transparenz bei allen Arten der Wassernutzung, um Nutzungskonflikte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Lohnt sich Regenwassernutzung?
Hausherren können das Regenwasser, das sie in einer Zisterne sammeln, natürlich nicht als Trinkwasser verwenden, wohl aber als Brauchwasser etwa zur Gartenbewässerung oder für die Toilettenspülung und für Wasch- und Spülmaschinen im Haushalt.
Normalerweise rechnet man beim Wasserverbrauch im Haushalt mit folgenden Zahlen: Etwa 30 % des Trinkwassers gehen durch die Toilettenspülung in den Abfluss, gut 15 % für die Waschmaschine und knapp 5 % für die Gartenbewässerung.
Durch die Regenwassernutzung lassen sich also 50% den “teuren” Trinkwassers einsparen. Angesichts der Wasserknappheit ist mindestens mittelfristig mit stark steigenden Preisen für Trinkwasser und auch für die Abwasserreinigung zu rechnen.

Braucht es eine Genehmigung?
Bauvorschriften ist generell Ländersache, das gilt auch für die Installation einer Regenwassersammelanlage. Deshalb ist es zwingend, sich bei der Baubehörde und der Wasserbehörde vorab zu erkundigen, welche Vorschriften. Einige Dinge sind allerdings übergreifend geregelt. Zum Beispiel dienen für die Installation einer Anlage die EN 1717 (europäische Norm), die DIN 1988 "Trinkwasser-Leitungsanlagen" und die DIN 1986 "Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke" als Grundlage jeder Planung.
Wenn die Planung der Regenwassernutzungsanlage all diesen DIN-Normen entspricht, muss die kommunale Behörde grundsätzlich den Bau und Betrieb der Anlage erlauben. Bevor die Anlage in Betrieb geht, muss sie außerdem dem Gesundheitsamt angezeigt werden. Bei Regenwassernutzung im Haus (also für Toilette, Spül- und Waschmaschine) ist beim Wasserversorger zusätzlich ein Antrag auf Teilbefreiung von der Wasserlieferung nötig.
Komplettpakete sind die Lösung
Für an der Regenwassernutzung Interessierte sind Komplettpakete, wie sie viele Hersteller anbieten, die ideale Lösung. Je nach Bedarf können sogenannte Haus- oder Garten-Pakete geordert werden, bei denen vom Tank bis zur Pumpensteuerung alle Komponenten vormontiert und steckfertig zum Festpreis geliefert werden. Auch den nötigen Aushub übernehmen solche Firmen.
Vom Aushub bis zur Inbetriebnahme dauert die Installation je nach Größe der Anlage zwischen einem und zwei Arbeitstagen. Schneller und einfacher geht das alles natürlich bei einem Neubau oder bei einer kompletten Neugestaltung des Gartens oder Vorgartens, denn gerade die Baggerarbeiten und der Transport des Tanks hinterlassen natürlich deutliche Spuren. Auch ist die Installation eines zweiten Leitungssystems im Rohbau natürlich wesentlich einfacher.

Ein echtes Fundament brauchen die Tanks nicht, es reicht eine 10-15 cm dicke kapillarbrechende Schicht aus Sand oder Kies, die plan abgezogen wird. Wichtig ist eine gute Planung, das gilt vor allem für die gewünschten Entnahmestellen im Garten wie Versenkregner, Wassersteckdosen oder einfache Wasserhähne. Auch dafür haben alle Hersteller Lösungen im Programm. Nur das Wasser verbrauchen, das muss der Hausherr noch selbst.
Förderung von Zisternen durch die Kommunen
Einige Städte und Kommunen setzen aufgrund von drohenden Wassermangellagen Anreize für einen achtsamen Umgang mit Wasser und fördern den Einbau von Zisternen oder Regenwassersammelanlagen. Abgesehen davon, dass die Nutzung von Leitungswasser für diese Bereiche zunehmend zum Luxus wird, werden durch Haushalte mit Zisternen und Hauswasserwerk auch die kommunalen Wasserwerke in ihrer immer aufwändigeren Wasseraufbereitungsarbeit entlastet. Eine gezielte Förderung solcher Anlagen ist also durchaus im Eigeninteresse der Kommunen selbst.

Die Förderrichtlinien sind allerdings wie bei vielen Dingen nicht einheitlich, bundes- oder auch nur landesweit geltende Regelungen existieren (noch) nicht. Ob und welche Zuschüsse es genau gibt, erfragen Hausbesitzer am besten beim örtlichen Bau-, Umwelt- oder Tiefbauamt. Außerdem werden Regenwassernutzungsanlagen auch mit zinsgünstigen Krediten von verschiedenen Banken unterstützt, etwa durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW).
Das Nachfragen kann sich aber durchaus lohnen: regional sind Fördersummen von bis zu 2000 Euro möglich. Die Kosten für eine Regenwassernutzungsanlage liegen je nach Größe und Eigenleistungsanteil im Schnitt zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Eine satte Förderung verkürzt die Amortisationszeit also erheblich.
