Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, einen Teil ihrer Lebensmittel selbst anzubauen. Ein Selbstversorger-Garten bietet dafür verschiedene Möglichkeiten. Obst, Gemüse und Kräuter können direkt auf dem eigenen Grundstück angebaut und nach Bedarf geerntet werden. Gleichzeitig lässt sich selbst bestimmen, welche Anbaumethoden und Pflanzenschutzmaßnahmen zum Einsatz kommen. Zum anderen weiß man genau, was auf den Teller kommt. Die Sorge über Pestizide entfällt. Wenn man darüber hinaus durch Tierhaltung im eigenen Garten weitgehend unabhängig vom Kauf tierischer Lebensmittel wird, erreicht man fast die vollständige Kontrolle über die Nahrungsmittel. Damit ein derartig ehrgeiziges Projekt gelingt, bedarf es jedoch der sorgfältigen Planung. Außerdem wird professionelles Equipment benötigt, um die Arbeit im Selbstversorger-Garten zu bewältigen.
Selbstversorger-Garten: Planung und Ausrüstung sind Voraussetzungen für den Erfolg
Einen Selbstversorger-Garten anzulegen, ist ein reizvolles, aber auch anspruchsvolles Projekt. Zunächst muss entschieden werden, ob mit dem Garten eine teilweise, überwiegende oder vollständige Selbstversorgung realisiert werden soll. Wer sich nur zum Teil selbst mit Obst, Gemüse und Kräutern versorgen möchte, sollte 25 Quadratmeter Anbaufläche pro Person einplanen. Bei weitgehender Selbstversorgung werden bereits 70 Quadratmeter Anbaufläche benötigt und wer die Familie vollständig selbst versorgen möchten, muss 160 Quadratmeter Anbaufläche einplanen. Die größte Fläche mit 100 Quadratmeter wird dabei für den Obstanbau benötigt. Auf 20 Quadratmeter wird das Gemüse für den sofortigen Verzehr angebaut und die weiteren 40 Quadratmeter entfallen auf den Anbau von Gemüse zum Einlagern.
Wenn zusätzlich die Versorgung mit tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern, Milch, Butter und Honig gewährleistet werden sollt, steigt der Platzbedarf nochmals an. Hühner benötigen beispielsweise einen Auslauf von 15 Quadratmeter pro Tier. Herdentiere wie Schafe und Ziegen sollten ausschließlich in Gruppen gehalten werden, sodass ein Garten am Einfamilienhaus nicht ausreichen wird. Die Haltung von Nutztieren in Wohngebieten ist allerdings nur eingeschränkt erlaubt. Während Schafe als Kleintiere gelten und in vielen Gegenden gehalten werden dürfen, ist die Haltung von Schweinen und Rindern nicht erlaubt. Bevor damit begonnen wird, einen Schafstall zu bauen, sollte man sich beim Bauamt über die erlaubte Nutzung des Grundstücks informieren.

Aufteilung des Selbstversorger-Gartens
Steht fest, welchen Umfang die Selbstversorgung haben soll und was rechtlich realisierbar ist, geht es an die Aufteilung der Fläche. Die Bepflanzung sollte sich an der Sonneneinstrahlung orientieren. Es gibt Pflanzen, die eine direkte Sonneneinstrahlung benötigen, wie beispielsweise Kartoffeln, Paprika oder Tomaten. Andere Sorten eigenen sich für den Anbau an halbschattigen Plätzen (Salat, Spinat, Kohlrabi, Blumenkohl). Beim Obstanbau kann man Beerensorten an schattigen oder halbschattigen Standorten platzieren, wohingegen Obstbäume einen Platz an der Sonne bevorzugen.
Wie gelingt die Bewässerung zuverlässig und zeitsparend?
Mit einem automatischen Bewässerungssystem lässt sich der Nutzgarten auch bei längerer Abwesenheit zuverlässig mit Wasser versorgen. Je nach System können Wassermenge und Bewässerungszeiten gezielt an die Pflanzen und Bereiche im Garten angepasst werden. Tropfbewässerungssysteme geben das Wasser beispielsweise direkt im Bereich der Pflanzenwurzeln ab.
Es ist empfehlenswert, die automatische Bewässerungsanlage für einen großen Selbstversorger-Garten mit professioneller Unterstützung zu planen und installieren zu lassen. Die Steuerung des Bewässerungssystems erfolgt computergestützt, wobei das Steuergerät direkt an den Wasserhahn angeschlossen wird. Mit einer mehrkanaligen Steuerung können verschiedene Bereiche versorgt werden.
Lohnt sich die Anschaffung eines Gewächshauses?
Der Selbstversorger-Garten ist ein ambitioniertes Projekt. Es stellt sich die Frage, ob die Anschaffung eines Gewächshauses vorteilhaft ist, um die gewünschten Ernteerfolge zu erzielen. Viele Gartenbesitzer scheuen die hohen Anschaffungskosten von mehreren Hundert Euro. Besonders hochwertige, große Gewächshäuser kosten sogar mehr als tausend Euro. Für größere Gewächshäuser benötigt man ein Fundament und eine Baugenehmigung. Des Weiteren sind Fragen der Bewässerung und Beheizung zu klären.
Dem gegenüber stehen zahlreiche Vorteile. Im Gewächshaus ist ein geschützter Anbau von Obst und Gemüse möglich. Sturm, Hagel oder längere Kälteperioden haben kaum Einfluss auf die Ernte. Besonders Pflanzen, die auf Witterungseinflüsse empfindlich reagieren, wie Tomaten und Paprika, profitieren vom geschützten Anbau. Gleiches gilt für die Anzucht, die ansonsten im Frühbeet stattfindet. Das Gewächshaus eignet sich hervorragend, um dort nicht-winterharte Pflanzen überwintern zu lassen und bietet einen perfekten Schutz vor Schnecken und Ungeziefer, sodass auf andere Maßnahmen zum Pflanzenschutz verzichtet werden kann. Darüber hinaus ermöglicht das Gewächshaus eine längere Anbauphase und somit eine Verlängerung der Erntesaison. Für ambitionierte Gärtner gibt es eine große Auswahl hochwertiger Gewächshäuser, je nach Wunsch inklusive Bewässerung und Heizung.



Wie lässt sich Tierhaltung im Selbstversorger-Garten integrieren?
Tierhaltung im Selbstversorger-Garten erweitert die Möglichkeiten, unabhängig von Lebensmittel-Einkäufen zu werden. Besonders wenig Platz benötigt man für die Bienenhaltung. Dafür ist lediglich eine Bienenkiste oder ein Bienenkorb erforderlich. Etwas mehr Platz braucht man für die Haltung von Kleintieren wie Hühnern, Wachteln oder Kaninchen. Der anfallende Mist kann kompostiert und anschließend als Dünger im Garten verwendet werden. Die Tiere sollten allerdings immer in kleinen Gruppen gehalten werden. Genügend Auslauf ist ebenfalls für eine artgerechte Tierhaltung unverzichtbar. Für Kleintiere benötigt man robuste Ställe sowie einen Freilauf. Wer es individuell mag oder den Tieren ein größeres Refugium bieten möchte, baut Stall und Gehege selbst. Anleitungen findet man im Internet. Als Baumaterial eignen sich Holz, Blech und Acrylglas. Wer etwas Bleibendes schaffen möchte, lässt sich den Stall und das Wirtschaftsgebäude professionell errichten. Gehört zum Selbstversorger-Garten eine Weide, kann man dort größere Tiere wie Ziegen und Schafe halten. Mit Weidezaunpfählen und -band wird das Areal eingezäunt. Ein Weidezaungerät erzeugt leichte Stromstöße, sodass die Tiere auf der Weide bleiben.
