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27. April 2020  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Naturfarben sind im Trend

von  Ulrich Wolf | 5 Min. Lesezeit | #Farben  #Lacke  #Naturprodukte  #Naturfarben 

Auf fast jedem Gebinde mit Farbe oder Lack prangt mittlerweile der Hinweis „lösemittelfrei“ oder „lösemittelarm“. Obwohl das grundsätzlich ein löblicher Ansatz ist, weist diese Formulierung noch lange nicht auf eine Natur- oder ansatzweise natürlichen Inhalt hin.

Die „lösemittelfreien“ Farben hat mittlerweile jeder Hersteller im Programm, meist weniger aus eigener Überzeugung, sondern weil’s die EU so will. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein Lack noch bis zu 10 Volumenprozent an Lösemitteln aufweisen darf und trotzdem noch als ‚lösemittelfrei‘ gilt. Für die echten Naturfarben ist die Lösemittelfrage allerdings nicht das Hauptkriterium. Entscheidend ist die Rohstoffbasis, auf der sie produziert werden. Während herkömmliche Produkte letztlich auf dem fossilen und damit endlichen Erdöl aufbauen, praktizieren die Naturfarbenhersteller die konsequente Abkehr von der Petrochemie als Basis ihrer Farben und Lacke.

Die Produkte nutzen die ungeheure Vielfalt und schiere Menge an pflanzlichen Grundstoffen, die im Verlauf der Evolution der Biosphäre entstanden sind. Unter diesen Produkten gibt es Tausende, die grundsätzlich als Grundstoffe etwa für Bindemittel, Lösemittel und Additive bei der Herstellung von Anstrichstoffen geeignet sind. Dazu zählen auch die pflanzlichen Farbpigmente, Baumharze, Wachse, Öle und Fette, Gummen, Quellstoffe, ätherische Öle, Emulgatoren usw.

Der Einsatz der Pflanzen für die Produktion der Anstrichmittel hat gleich drei große Vorteile für die Verbraucher: Erstens wird kein wertvolles Erdöl für ein eigentliches „Nebenprodukt“ wie Farben und Lacke verschwendet. Zweitens sind die Rohstoffe natürlich nachwachsend und damit nicht nur unendlich lange verfüg-, sondern auch voll kompostierbar. Und schließlich werden die Themen Wohngesundheit und ökologisch korrekte Produkte für viele Kunden immer wichtiger.

Hier punkten die Naturfarben mit ihren natürlichen Inhaltsstoffen am stärksten – allerdings gibt es tatsächlich auch Ausnahmen. Denn auch einige „natürliche“ Inhaltsstoffe wie Terpentin- und Orangenöl beispielsweise können durchaus allergische Reaktionen auslösen, deswegen ersetzen sie einige Hersteller durch Isoparaffine.

Die Bandbreite an Naturprodukten ist groß

Neben den schon erwähnten Wand- und Fassadenfarben spielen vor allem die Lacke und Lasuren für den Innenbereich eine große Rolle. Da sich der Durchschnittseuropäer etwa 80% des Tages in geschlossenen Räumen aufhält, ist hier das ökologisch-gesundheitliche Argument am wirksamsten. Für alle Lacke und Lasuren gibt es natürlich auch Grundierungen auf pflanzlicher Basis.

Wenn der Kunde lieber mehr Struktur auf der Wand hätte, ist auch das kein Problem. Neben den Dispersionsputzen zum Aufziehen oder Aufrollen finden vor allem die Lehm- und Kalkfeinputze immer mehr Anhänger. Auch hier ist die Rohstoffbasis rein mineralisch, allerdings sollten Sie wegen der hohen Alkalität des Kalks bei der Verarbeitung Handschuhe und Schutzbrille tragen.

mehrere Säcke mit verschiedenen Farbpulvern stehen nebeneinander

Der Holzfußboden bietet ebenfalls eine große Fläche im Haus, auf der lösemittelhaltige Produkte nichts zu suchen haben. Hier bieten die Hersteller allerlei Öle, Wachse, Laugen, Seifen und Lacke auf Wasserbasis in ihrem Sortiment an. Nicht zu vergessen sind die Kleber: Gerade bei den Bodenbelags- und Tapetenklebern sind die ökologischen Varianten aufgrund der großen Einsatzflächen durchaus sinnvoll.

Für Sie als Verarbeiter nicht ganz so, aber für Ihre Kunden sehr interessant sind zum Schluss noch die Reinigungs- und Pflegemittel. Jeder Hersteller stimmt diese auf die eigenen Anstrichmittel ab.

„Echte“ Naturfarben erkennen

Jeder seriöse Naturfarbenhersteller setzt auf offensive Kommunikation und versieht alle Produkte und Gebinde mit einer Volldeklaration. So können Sie als Verarbeiter und vor allem auch Ihr Kunde jederzeit sämtliche Inhaltsstoffe einsehen. Wer sich noch mehr informieren möchte – einige Produzenten bieten auf ihren Internetseiten eine umfangreiche Rohstoff-Charakteristik zum Nachlesen an.

Das gilt im Übrigen auch für das Händlerverzeichnis: In der Regel sind die Naturfarben über den sogenannten baubiologischen Fachhandel zu beziehen, im Baumarkt oder Fachhandel werden Sie kein Glück haben.

Die wichtigsten Rohstoffe der Naturfarben

Carnaubawachs wird durch das Abschaben oder Auskochen der Palmenblätter der Carnaubapalme wird das wertvolle Carnaubawachs gewonnen. Das Wachs, das unter den natürlichen Wachsen den höchsten Schmelzpunkt (circa 85° C) und einen hohen Flammpunkt (circa 300° C) hat, wird während der Trockenzeit abgebaut. Es ergänzt durch seine besondere Härte die mechanische Belastbarkeit aller weichen Wachse. Fußböden und Möbel bekommen einen sichtbaren Glanz.

Dammar ist das Harz von Laubbäumen, die vorwiegend im Traum malaysia/Indien wachsen. Die verschiedenen Sorten variieren in ihrer Farbe zwischen klar-hell, gelblich und schwarz-grau. Der Härtegrad das Dammarharzesgleicht dem von Kolophonium. Dammar wird verwendetzur Herstellung von hellen Lacken, Emaille-und Ahornlacken sowie als Zusatz für Tempera-und Öl-Harz-Farben.

Titandioxid ist ein sehr gut deckendes, ungiftiges Weißpigment für Farben und Lacke. Es wird aus natürlichen Mineralien durch Abtrennung farbiger Begleitstoffe hergestellt und findet auch Einsatz in der Schadstoffneutralisation, da es sich um ein Katalysator-Pigment mit spezieller, feinteiliger Struktur und großer Oberfläche handelt. Titandioxid ist chemisch stabil, ungiftig und unter der Kennzeichnung E 171 als Lebensmittelzusatzstoff beispielsweise in Zahnpasta, Kaugummis und Hustenbonbons anzutreffen, sowie als Pigment in Kosmetika.

Leinöl ist ein fettes Samenöl der Leinpflanze, gewonnen durch Kalt-und Warmpressung. Aufgrund des hohen Gehalts an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren härten Leinöle aus, weshalb sie als Bindemittel in Ölfarben geeignet sind. Als Bindemittelbestandteil gibt es den Ölen hohe Elastizität und Fließfähigkeit. Das Öl riecht würzig nach Heu. Leinöl war und ist das wichtigste Bindemittel für Ölfarben, noch vor anderen trocknenden Ölen (z.B. Mohnöl, Walnussöl).

DrachenblutSokotrisches Drachenblutharz schwitzt aus dem Stamm aus, und wird ähnlich wie Naturgummi geerntet, indem die natürlichen Sickerrisse vergrößert werden. Das eintrocknende Harz wird aber vom Baum gekratzt. Ostindisches Drachenblut wird aus der Hülle reifer Früchte gewoonen. Diese sind scharlackrot, etwa 2 cm groß und stehen in dichten Trauben. Nach der Reife quillt das Drachenblut heraus, und trocknet ein. Die Früchte werden in Säcke gefüllt und das Harz abgeschüttelt.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

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