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26. März 2021  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Marmor für Boden und Wand

von  Ulrich Wolf | 5 Min. Lesezeit | #Marmor  #Marmorfliesen  #Naturstein  #Fliesenverlegung  #Antikoptik 

Boden- und Wandbeläge aus Naturstein liegen in der Beliebtheitsskala von Bauherren nach wie vor ganz oben. Der Marmor gehört dabei zu den beliebtesten Baumaterialien, vor allem im Plattenformat. Wer Marmor verlegen will, muss das Gestein und die Regeln der Verlegung genau kennen, damit das spätere Erscheinungsbild keine Enttäuschung wird.

Marmor gehört zu den sogenannten metamorphen Gesteinen, die im Laufe der Jahrtausende durch Umwandlung von Magmatiten oder Sedimentiten entstanden sind. Nach der Gewinnung werden die Steine physikalisch, also durch Sägen und Polieren bearbeitet, damit man sie als Natursteinplatten verlegen kann. Alle Natursteine weisen verschiedene Einlagerungen auf, beim Marmor sind es vor allem Pyrit und Hämatit, die auch im verlegten Zustand der Platten noch Verfärbungen der Oberfläche hervorrufen können. In Europa wird Marmor schon seit vielen Jahrhunderten in Steinbrüchen abgebaut, indem mit einer langen Säge große Marmorblöcke aus dem Gestein herausgeschnitten werden. Wie lange die Marmorvorräte noch reichen, kann niemand verlässlich sagen, der Abbau hinterlässt in den marmorexportierenden Ländern aber oft Kraterlandschaften, die aufwändig rekultiviert werden müssen.

eine Arbeitsplatte aus Marmor mit einer Küchenzeile verschwommen im Hintergrund

So funktioniert die Verlegung von Marmorfliesen

Im Innenbereich kommen mittlerweile fast ausschließlich Marmorfliesen zum Einsatz, die in der Regel zwischen 10 und 15 mm dick und kalibriert sind. Marmorfliesen und -platten können im Dünn-, Mittel- oder Dickbett verlegt werden. Maßgeblich für das Klebeverfahren ist das Format der Steine. Kleine bis mittelformatige und kalibrierte Marmorfliesen können aufgrund ihrer Maßgenauigkeit im Dünnbettverfahren verlegt werden, bei dem das Kleberbett nur zwischen 2 und 6 mm dick ist. Da hier die Kleber- und damit die Wassermenge eher gering ist, ist die Gefahr von Verfärbungen auf der Marmoroberfläche zu vernachlässigen. Beim Dünnbettverfahren ist es sinnvoll, dass die Marmorfliesen auch auf der Rückseite mit einer Kleberschicht versehen werden („Buttering-Floating-Verfahren“). Dadurch werden lose Bestandteile und Trennmittel wie Staub mit in das Kleberbett eingebunden und Hohlstellen werden sicher verhindert.

Größere Plattenformate, die sogenannten Überlängen, werden meist unkalibriert geliefert. Die größeren Unebenheiten und Maßtoleranzen in den Platten machen es nötig, sie im Dickbettverfahren zu verlegen. Dabei wird die Marmorfliese ebenfalls rückseitig mit einer Haftschlämme beziehungsweise mit Natursteinkleber versehen und frisch in frisch in den Dickbettkleber eingeklopft. Unregelmäßigkeiten des Untergrunds werden bei diesem Verfahren direkt ausgeglichen. Die Mittelbettverlegung vereint die Vorteile der Dünn- und Dickbettverlegung. So ist eine hohe Flächenleistung beim Natursteinplatten verlegen realisierbar, und gleichzeitig können Unebenheiten des Untergrunds ausgeglichen werden.

Mehr als ärgerlich – Verfärbungen und Verschüsselungen

Von Verfärbungen spricht man, wenn der verlegte Marmorbelag in seiner optischen Erscheinung nicht mehr dem Anlieferungszustand entspricht. Verfärbungen haben ihre Ursache oft in der Wahl des falschen Fliesenklebers. Bei zementbasierten Klebern besteht die Gefahr, dass das Anmachwasser Zementbestandteile in den Marmor transportiert, was zu Schüsselungen und dauerhaften Verfärbungen führen kann.

Um Letzteres sicher zu verhindern, sollten Produkte eingesetzt werden, die über eine hohe kristalline Wasserbindung verfügen. Bei diesen Produkten, zum Beispiel bei Natursteinklebern, wird das Anmachwasser des Mörtelbetts nahezu vollständig chemisch gebunden. Zudem sind Natursteinkleber nicht zementgebunden, sondern enthalten Trass, bei dem die Gefahr der „Mineralwanderung“ und Verfärbung nicht besteht. Durch den Trass sind die Natursteinkleber in der Regel weiß und nicht grau.

Um alle Fehlerquellen auszuschließen, ist die Kombination aus schnell erhärtenden Natursteinklebern, quarzfreien Fugenmörteln und weichmacherfreien Silikonen ideal. Die Verfärbungen können aber auch auf Verschmutzungen aus dem Mörtelbett zurückzuführen sein. Es ist daher sorgfältig darauf zu achten, dass keine rostenden Gegenstände wie etwa Nägel oder Kronkorken in das Kleberbett eingearbeitet werden. Wenn die zu rosten beginnen, ist das später als braune Flecken auf dem Stein zu erkennen. Verfärbungen von oben entstehen oft während der Bauphase durch Unachtsamkeit nachfolgender Gewerke oder durch Schmutzeintrag.

Neben Verfärbungen kann es bei Natursteinen generell auch zu unerwünschten und irreparablen Verschüsselungen kommen. Diese entstehen, wenn an der Unterseite die Minerale das Mörtelwasser aufnehmen und sich die Unterseite dann stärker ausdehnt als die Oberseite der Platten. Dabei gilt als Faustregel: Je rechteckiger und dünner die Natursteinplatte ist, umso größer ist das Risiko. Bei 30 x 30 Zentimeter großen Platten sollte die Dicke nicht unter zehn, bei 30 x 60 cm nicht unter 12 mm liegen. Obwohl der Marmor eine eher geringe Schüsselungsneigung aufweist, sollten davon in keinem Fall rechteckige Platten, die dünner als zehn Millimeter sind, mit herkömmlichem Dünnbettmörtel verlegt werden.

Prüfungspflicht des Handwerkers beim Verlegen

Für eine schadenfreie Ausführung von Natursteinarbeiten mit Dünn-, Mittel- und Dickbettmörtel ist die einwandfreie Beschaffenheit des Untergrunds Voraussetzung. Der Handwerker muss nach der DIN 18332, Absatz 3.1.1, vor dem Natursteinplatten verlegen den Untergrund daraufhin prüfen, ob er für die Durchführung seiner Leistung geeignet ist.

Bedenken sind dem Auftraggeber unverzüglich schriftlich mitzuteilen. Bedenken sind insbesondere geltend zu machen bei falscher Güte der gelieferten Stoffe oder fehlenden Angaben zur petrologischen und geografischen Herkunft. Nach VOB/B Abs. 3 haben die Auftragnehmer auch Bedenken gegen die Güte der vom Auftraggeber gelieferten Stoffe anzumelden. Dies können bei Natursteinen beispielsweise bereits im Anlieferungszustand erkennbare Verfärbungen sein, die sich bei einer Verlegung intensivieren können.

Die Trends

In den letzten Jahren hat der allseits geschätzte Vintage-Look auch vor den Fliesen und Platten aus Marmor nicht Halt gemacht. Unter dem Namen „Antikmarmor“ sind Platten im Handel, die an den Kanten und auf der Oberfläche starke Abnutzungserscheinungen zeigen. Dabei werden diese Platten schon bei der Herstellung auf alt und gebraucht getrimmt. Beim getrommelten Marmor beispielsweise malträtieren sich in einer großen rotierenden Trommel die geschnittenen Platten und Gesteinsresten gegenseitig. Das zweite Instrument zur künstlichen Alterung ist die Bürste, mit der der glatte Marmor eine samtige Oberfläche mit Gebrauchsspuren.

Aber Achtung: Nicht alle Antikmarmorprodukte sind tatsächlich aus Marmor. Es handelt sich dabei vielmehr um einen Überbegriff für die Natursteine Marmor, Kalkstein und Travertin. Auch sind es nicht nur großformatige Fliesen und Platten, auch Mosaikfliesen, Bordüren und Sockel können getrommelt und gebürstet werden. Neben dem Antik-Look gehen die Marmorfliesen und –platten auch bei den Formaten mit der Zeit. Was bei keramischen Fliesen schon lange möglich ist, findet auch beim Marmor immer mehr Freunde. So sind Plattengrößen bis zu 60 x 120 cm absolut im Trend, darüber hinaus wird die Verarbeitung aber so anspruchsvoll, dass sich noch kein Hersteller an noch größere Formate herangewagt hat.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

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