Gemäß den Erhebungen des Robert Koch Instituts hat sich die Zahl der Allergiker von 1992 bis 2011 verdoppelt. Moderne Haustechnik kann einige Allergien lindern.
Wohnklima verbessern und Schimmelpilzbildung verhindern
Für Allergiker mit gesundheitlichen Beschwerden im Bereich der oberen Atemwege und für Asthmatiker ist ein gesundes Wohnklima gleichbedeutend mit einem hohen Lebensniveau. Insbesondere während der Pollensaison und in der Heizperiode kann mit innovativer Haustechnik ein von Allergenen unbelastetes Klima in den Wohnräumen geschaffen werden, in dem sich die Betroffenen erholen können. Um eine pollenfreie Raumluft zu erzeugen, stehen verschiedene Techniken zur Auswahl.
Klimaanlagen mit Filtersystem
Klimageräte werden mit Filtermatten und Feinstaubfiltern angeboten, wobei letztere zumeist 99,99 % aller Pollen und Keime aus der Raumluft entfernen. Wichtig dabei ist, dass diese Filtersysteme in regelmäßigen Abständen gereinigt und/oder die Filtereinsätze gewechselt werden. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:
- In Klimaanlagen sammelt sich Kondenswasser, wodurch Keime gedeihen und sich vermehren. Wird das System nicht gereinigt, wird das Klimagerät zur Keimschleuder. Anstatt vor Krankheiten zu schützen, kann eine nicht gewartete Klimaanlage dann sogar Erkrankungen verursachen.
- Die Abwärme des Gerätes und die Feuchtigkeit darin begünstigen zudem das Wachstum von Schimmelpilzen.
- Hat der Feinstaubfilter seine Aufnahmekapazität erreicht, ist er kaum mehr luftdurchlässig. In der Folge sinkt die Luftleistung des Gerätes rapide, während zugleich der Energieverbrauch messbar steigt.
Deshalb bietet es sich zwingend an, beim Verkauf eines Klimagerätes gleich einen Wartungsvertrag anzubieten. Dies schützt den Kunden vor gesundheitlichen Folgen und den Verkäufer vor Reklamationen.
Bei der Installation der Filter ist darauf zu achten, dass diese der jeweiligen DIN entsprechen. Gültig sind derzeit die Normen EN 779 G2, G3, G4, M5, M6, F7, F8, F9 beziehungsweise die neu aufgestellten ISO-Normen 16890 grob, ePM10, ePM2,5, ePM1, EN 1822-1 für E10 sowie U17 für Schwebstofffilter.
Pollen und Keime weisen fast immer einen Partikeldurchmesser von weniger als 10 µm auf. Moderne Feinstaubfilter der Norm ePM2,5 sind derzeit der Stand der Technik in der Haustechnik. Mit diesen Filtern ist es möglich, Staub, Viren und Allergene aus der Luft zu filtern, deren Partikeldurchmesser kleiner als 2,5 µm ist.
Luftreiniger
Luftreinigungsysteme sind technisch Klimaanlagen recht ähnlich, allerdings kühlen oder heizen diese Geräte nicht. Diese Systeme werden generell so konzipiert, dass sie große Luftmengen ansaugen. Diese werden durch einen Filter oder ein System aus mehreren Filtern gepresst. Die so gereinigte Luft wird wieder in den Raum abgeleitet.
Auch bei einem Luftreiniger ist der regelmäßige Filterwechsel unerlässlich, denn ansonsten können sich diese Geräte ähnlich unangenehm bemerkbar machen wie nicht gewartete Klimaanlagen.
Luftwäscher
Ein besonderes Gerät in der Kategorie Luftreiniger sind Luftwäscher. Diese verfügen zumeist nur über einen Grobfilter. Aber anschließend wird die angesagte Raumluft über feinste Düsen in ein Wasserbecken gleitet. So wird die Luft in der Tat gewaschen, denn rund 99 % aller festen Partikel bleiben im Wasserbad zurück. Bei dieser Technik muss regelmäßig das Wasser gewechselt und das Becken desinfiziert werden, wozu chemische Mittel zum Einsatz kommen. Außerdem werden Duftöle für Luftwäscher angeboten, die aber in einem Haushalt mit Allergikern oder Asthmapatienten eher kontraproduktiv sind.
Befeuchtung der Raumluft
Luftbefeuchter werden vorzugsweise saisonal während der Heizperiode eingesetzt. Sinn der Technik ist, die Feuchtigkeit der Raumluft zu erhöhen. Auf diesem Wege sollen Luftbefeuchter gegen spröde Schleimhäute wirken und Erkältungskrankheiten reduzieren. Aber auch bei diesen Geräten ist unbedingt auf die Hygiene zu achten, denn ohne fachgerechte, regelmäßige Desinfektion wird das Luftbefeuchtungssystem schnell zum Auslöser von Krankheiten. Luftbefeuchter erzeugen feinsten Wasserdampf durch Ultraschall, Verdunstung oder aktiv durch Verdampfung. Analog dazu werden Zimmerspringbrunnen angeboten, die den gleichen Zweck verfolgen und obendrein ein beruhigendes Plätschern erzeugen.
Ionisation der Raumluft
Ionisations-Geräte bedienen sich der natürlichen elektrischen Ladung von Staubpartikeln und produzieren Ionen mit entgegengesetzter Polarität. Diese verbinden sich durch die elektrostatische Anziehung mit einem Staubpartikel und durch die kraftvolle Ladung ziehen sie weitere an. Auf diese Weise entstehen Staubkugeln, die zu Boden sinken und nicht mehr eingeatmet werden können. Dies geschieht auch in der Natur, wo am Meer und in Höhenlagen ein natürlicher Ionengehalt von bis zu 8000 Ionen pro Kubikzentimeter gemessen wird. Im Vergleich dazu sind in Innenstädten lediglich 20 bis 200 und in belüfteten oder klimatisierten Räumen nur 20 bis 50 Ionen je Kubikzentimeter messbar.
Staubsauger und Saugroboter für Allergiker
Damit Allergiker frei atmen können, wurden sogenannte Wasserstaubsauger entwickelt. Mit diesen Geräten wird, so wie beim Luftwäscher, die angesaugte, dreckige Luft durch ein Wasserbad gereinigt. Daneben werden Trockenstaubsauger angeboten, die mit einem Mikropartikelfilter ausgestattet sind oder mit einem Hepa-Filter.
Eine Alternative sind Saugroboter, auch als Staubsaugrobotor oder Robotersauger bekannt. Die für Allergiker geeigneten Modelle besitzen einen Feinstaubfilter, entleeren sich selbstständig, wenn der Auffangbehälter voll ist, und lassen sich via Bluetooth sowie WiFi programmieren und aktivieren. Diese Geräte sind deshalb für Allergiker ideal, weil sie ihre Arbeit in der Abwesenheit der Bewohner verrichten. Kommen diese zurück, hat sich der eventuell aufgewirbelte Staub bereits wieder gelegt. Übrigens gibt es diese Robotersauger auch mit einer Wischfunktion, wobei mit dem Wasser aus einem separaten Tank rund 100 Quadratmeter glatter Boden gereinigt werden können.
Verhinderung von Schimmelpilzen durch clevere Haustechnik
Eine leistungsstarke Entlüftung sorgt dafür, dass Wasserdampf aus dem Raum abgeführt wird und dass zu feuchte Luft gegen trockenere ausgetauscht wird. Deshalb werden Abluftanlagen vorzugsweise als Dunstabzug in der Küche installiert und zum Luftaustausch in Nassräumen, insbesondere im Bad. Genau dort sorgen Handtuchwärmer für ein trockenes Klima. Diese werden noch immer als Luxus angesehen, aber Handtuchwärmer liefern nicht nur trockene Badetücher, sondern verhindern effektiv die Bildung von Schimmel.
Wassersysteme für Allergiker
Leben in einem Haushalt Allergiker mit Erkrankungen der Haut oder Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie einer Neurodermitis, kann deren Lebensstandard mit einer Entkalkungsanlage deutlich verbessert werden. Kalkhaltiges Leitungswasser trocknet bereits beim Duschen die Haut aus. Überdies wird wegen des hohen Härtegrades des Wassers unverhältnismäßig viel Waschpulver oder Geschirrspülmittel verwendet, um ein zufriedenstellendes Reinigungsergebnis zu erzielen. Je mehr Waschmittel verwendet wird, desto mehr bleibt als Rückstand in der Kleidung haften, was bei Hauterkrankungen allgemein kontraproduktiv ist. Eine Alternative zur Wasserentkalkung ist die Regenwassergewinnung mit Aufbereitung. Regenwasser ist nahezu kalkfrei. Es kann grob gefiltert für die Toilettenspülung eingesetzt werden. Mit einer Aufbereitungsanlage lassen sich auch die Geschirrspül- und Waschmaschine damit betreiben, was zu einer erheblichen Einsparung an Wasch- sowie Spülmitteln führt.
Dampfschränke für sporen- und keimfreie Kleidung
Dampfschränke wurden eigentlich entwickelt, um kaum getragene, noch saubere Kleidung aufzufrischen, sodass diese ohne Waschen wieder getragen werden kann. Wer unter starken Allergien oder schweren chronischen Erkrankungen der Atemwege leidet, der kann diese Dampfschränke auch nutzen, um seine Kleidung vor dem Tragen von allen Keimen zu befreien. Binnen rund 20 Minuten wird die Kleidung mit heißem Dampf sterilisiert, was zudem das Bügeln erspart.
Schutz vor Strahlung und Elektrosmog
Von der Mikrowelle bis zum Fernseher und dem Handy sind Menschen von elektrischen Geräten umgeben, die alle elektromagnetische Strahlung in verschiedener Qualität abstrahlen. In der Haustechnik sollten abgeschirmte Steckdosenleisten verwendet werden. Für Bildschirme wie am Computer oder dem TV-Gerät sind Schutzfolien erhältlich, die die Strahlung messbar dämpfen. Diese Folien können in einer temperaturbeständigen Ausführung auch bei Mikrowellen, Backöfen und anderen Geräten angebracht werden. Ein weiterer Tipp ist, die Leistung des WLAN, sofern möglich, zu reduzieren.
Automatisierungsservice IFTTT
Diese besondere Art einer automatischen Zentralsteuerung kann für Geräte und Dienste verschiedenster Hersteller in Kombination eingesetzt werden. Zudem ist IFTTT kompatibel mit:
- Google Assistent
- Amazons Alexa
- Gira
- Spotify
- Philips Hue
- diversen Social-Media-Plattformen
- und anderen Servicedienstleistern
Vorteil ist, dass Bewohner feste Steuerzeiten für einzelne Geräte eingeben können. Diese Zeiten sind aber flexibel, denn sie können mit dem Handy von unterwegs jederzeit geändert werden. Wer früher nach Hause kommt, kann den Saugroboter vorzeitig aktivieren, die Heizung sowie die Heißwasserzubereitung hochfahren und den Luftreiniger einschalten, alles über eine simpel zu bedienende App.
Ozongeneratoren in besonderen Fällen
Ozonisatoren produzieren O3, ein Gas, bestehend aus drei Sauerstoffmolekülen. Ozon ist für den Menschen giftig und sollte in zu hoher Konzentration nicht eingeatmet werden. Genau deshalb ist das Gas das ideale Mittel, um auf umweltfreundlichen Weise die Raumluft in einem Zimmer vollständig zu desinfizieren. Nicht nur dies, denn wird ein Raum mit Ozon begast, werden auch Schimmelsporen, Ungeziefer und sogar Schwämme abgetötet. Je nach Raumgröße und Leistungsfähigkeit des Ozonisators reicht es in der Regel aus, einen Raum einmal wöchentlich für etwa 20 Minuten mit Ozon zu füllen. Anschließend sollte die Raumluft vollständig keimfrei und frei von Ungeziefer sein. Der behandelte Raum ist nach dem Einsatz des Gerätes durchzulüften, bevor er wieder genutzt wird.
Die richtige Heizung kann helfen
Heizkörper übertragen ihre Wärme durch Konvektion, wobei physische Kräfte entstehen, durch die sehr viel Staub in die Luft gewirbelt wird. Besser ist ein Heizungssystem, bei dem über eine große Fläche für Wärme gesorgt wird. Dabei kommt die Wärmestrahlung zum Tragen, die fast keinen Staub aufwirbelt. Heizstrahler, Wärmelampen und Fußbodenheizungen sind die klassischen Beispiele. Da sich Fußbodenheizungen nur mit großem Aufwand nachträglich installieren lassen, ist die neuartige Wärmefarbe eine gute Alternative.
Dabei handelt es sich um einen Farbanstrich, in dem sehr viel Kohlenstoff enthalten ist. Dieser wird einfach auch die Wand oder die Zimmerdecke aufgetragen und nach dem Trocknen über eine Verkabelung mit dem Stromnetz oder direkt mit einer Solaranlage verbunden. Angeschlossen an das Stromnetz, erwärmt sich die Farbschicht auf rund 40° C. Diese Farbe ist zur Dekoration mit jeder anderen Raumfarbe überstreichbar, auch mehrfach. Zudem ist die Energieeffizienz sehr hoch, weshalb die Wärmefarbe direkt beim Energiesparen hilft. Grund dafür ist, dass beim Heizen mit Strahlung gearbeitet wird und deshalb der Umweg über die Raumluft entfällt. So kann dieses Farbsystem mit geringeren Temperaturen von 40° C betrieben werden, wobei die gleiche Heizleistung wie bei einer regulären Heizung erreicht wird, die mit einer Kesseltemperatur von rund 60° C arbeitet. Da jedes Grad weniger rund 6 Prozent Energie einspart, macht sich die Anschaffung dieser Wandheizung direkt bei der Energieabrechnung bemerkbar. Diese Farbe wird auch als elektrische Infrarotheizung angeboten.